Osthaus-Biografie mit Munch-Bezügen


Edmund A. Spindler

In der ersten umfassenden Biografie des Sammelpaars Karl Ernst und Gertrud Osthaus aus Hagen werden die Kunstszene um die Jahrhundertwende – im „Fine de Siècle“ bzw. „Belle Époque“ – und die Epoche der „Klassischen Moderne“ (1880-1920) lebendig. Rainer Stamm (*1967, Kunsthistoriker und Museumsleiter aus Hagen) und Gloria Köpnick (*1988, Kunsthistorikerin und Kuratorin aus Elmshorn) beschreiben das Ehepaar Osthaus als Gründer des Folkwang-Museums und ihre Welt sehr genau und liefern damit einen guten Einblick in die damalige Kunst- und Lebenswelt.

Inhalt

In der 368-seitigen Biografie finden sich viele Beiträge zu Künstlern der Avantgarde (z.B. Henry van de Velde, Walter Gropius, Le Corbusier, Paul Cézanne, Henri Matisse, Emil Nolde u.a.) aber kein eigenes Kapitel über Edvard Munch. Dennoch wird er 18 mal im Buch mit inhaltlichen Bezügen erwähnt. So wird erläutert, wie es 1903 zu den ersten Käufen von Munchs Bildern für das Folkwang-Museum kam, als Karl Ernst Osthaus das Atelier von Munch in Paris besuchte und daraufhin einen Brief an Munch schrieb (S. 52). Zu einer persönlichen Begegnung mit Munch ist es leider nicht gekommen, aber die Bilder von Edvard Munch sind zu einem festen Bestandteil des exzellenten Expressionismus-Fundus im “Museum Folkwang“ in Essen geworden. Dies kann auch bei der Ausstellung „Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert“ (vom 20. August 2022 bis zum 8. Januar 2023) oder im Ausstellungskatalog sehr gut nachvollzogen werden.

Fazit

Die Biografie offenbart sehr schön die Charaktere der Mäzene und der Künstler und geht auf den Geist der Folkwang-Sammlung ein, der bis heute gepflegt wird. Insofern gehört das Buch zum Rüstzeug der Kunstgeschichte und kann mit gutem Gewissen als lesenswerte Lektüre empfohlen werden.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert