Munch im Musée d‘Orsay in Paris – attraktiv, anspruchsvoll und aufklärend


Edmund A. Spindler

Edvard Munch: „Abend auf der Karl-Johann-Straße“ (norwegisch: Aften på Karl Johan), 1892

Zu den schönsten der 160 Museen, die in Paris besichtigt werden können, gehört das Musée d‘Orsay. Es liegt gegenüber dem Louvre an der linken Südseite der Seine im 7. Arrondissement an der Esplanade Valéry Giscard d‘Estaing in der Rue de Lille 62. Es entstand 1986 als Kunstmuseum aus einem zentralen Sackbahnhof (Gare d‘Orsay), der für die Weltausstellung 1900 in Paris gebaut wurde und für den Fernverkehr in den Südwesten Frankreichs sorgen sollte. Mit dem modernen Umbau und der Umwidmung des Bahnhofs ist heute das Musée d‘Orsay ein wunderschöner Ort, in dem Architektur, Geschichte und Kunst brillieren.

Das Musée d‘Orsay (www.musee-orsay.fr) widmet sich inhaltlich auf einer Ausstellungsfläche von 16.000 m² der Kunst der Moderne (von 1875 bis zum 1. Weltkrieg, der sog. „Belle Époque“) und zeigt in Dauerausstellungen viele ikonische Werke von Édouard Manet (1832-1883), Claude Monet (1840-1926), Auguste Rodin (1840-1917), Auguste Renoir (1841-1919), Edgar Degas (1834-1917), Paul Cézanne (1939-1906), Paul Gauguin (1848-1903), Vincent van Gogh (1853-1890), Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901), Henri Matisse (1869-1954) u.a.

Auch Sonderausstellungen werden gezeigt. Hierzu gehört die aktuelle Ausstellung „Edvard Munch. Un poème de vie, d‘amour et de mort“ (Edvard Munch. Ein Gedicht über Leben, Liebe und Tod), die vom 20. September 2022 bis zum 22. Januar 2023 läuft. Gezeigt werden etwa 80 Munch-Bilder, die die Kunst der modernen Malerei beeinflusst haben und die für Munchs Beitrag zur Moderne stehen, z.B. sein „Lebensfries“, der uns auch heute noch viel lehren kann. Auch wird eine Zeittafel mit bibliographischen Highlights von Edvard Munch präsentiert, die bei Munch-Ausstellungen in dieser ausführlichen Form selten zu sehen ist und Munchs Präsenz in Paris dokumentiert.

Durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Kuratorenteam des Munch-Museums in Oslo konnten viele großformatige Bilder des Linde-Frieses, die Munch 1904 bei Dr. Max Linde in Lübeck malte und die nicht oft gezeigt werden, zum Gegenstand der Ausstellung werden. Darüber hinaus sind acht Variationen des Bildes „Der Kuss“ ausgestellt.

Zur sehenswerten Ausstellung selbst gibt es einen 250-seitigen französischen Ausstellungskatalog und ein 256-seitiges Buch („Edvard Munch. A Poem of Life, Love and Death“), das das Munch-Museum als Übersetzung der Texte ins Englische mit den (verkleinerten) Bildern beigesteuert hat. Beide Werke sind für je 45,00 € am Ausstellungsort erhältlich. Leider gibt es keinen deutschsprachigen Text (auch keinen Flyer), der auf die Ausstellung hinweist.

~  für das „Edvard Munch-Netzwerk“ ~


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